Zum fünften Mal publiziert Mobile Marketing Association Austria (MMA) den „Mobile Communications Report 2011“. Das Mobiltelefon hat den Alltag der Österreicher „fest in der Hand“, denn 67% der Österreicher können sich ihr Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Warum das so ist, zeigt der Report im Detail. Nur noch 4% der ÖsterreicherInnen nutzen das Handy rein zum Telefonieren, andere Funktionen wie z.B. die Nutzung von mobilem Internet (51%) werden immer wichtiger. 56% besitzen ein Smartphone und 60% der ÖsterreicherInnen lieben es, neue Technologien schon kurz nach ihrer Einführung zu nutzen.
Die MMA Austria erhob bereits zum fünften Mal die mobilen Nutzungsgewohnheiten der Österreicher. Durchgeführt wurde die Studie von MindTake Research mittels Computer Assisted Web-Interviews (CAWI).* Neben der Verbreitung von Smartphones und den beliebtesten Anwendungsbereichen des Handys, wurden die Nutzung von Apps, mobilem Internet, die Verwendung von sozialen Netzwerken via Handy-Internetzugang und die Bereitschaft zu mobilen Marketing-Angeboten sowie Werbung abgefragt.
„Die Kommunikationsstudie der MMA Austria gilt als Leitfaden für die mobilen Trends in Österreich“, erklären die Studien-Projektleiter Johannes Natterer, Produktmanager mobile Advertising A1 Telekom Austria AG, und Matthias Schodits, Managing Director YOC. „Die Technologie-Affinität der Österreicher, die Marktdurchdringung der Smartphones, die überdurchschnittliche Verwendung von Apps und die Nutzung von mobilem Internet zeigen, dass Herr und Frau Österreicher den mobilen Kanal sehr schätzen“, so Natterer und Schodits.
So „smart“ ist Österreich
Ohne Handy geht gar nichts mehr: 67% können sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen – Frauen mit 74% noch weniger als Männer mit 57%. Nur noch 4% nutzen das Handy rein zum Telefonieren. Immer stärker gewinnen andere Funktionen wie u.a. die Nutzung von mobilem Internet (51%) an Bedeutung.
Signifikant ist der Siegeszug der Smartphones in Österreich: Deren Nutzung ist im letzten Jahr um circa ein Viertel auf 56% gestiegen. Vor allem bei Männern (63%) ist das Smartphone äußerst beliebt – wobei die stärkste Affinität bei den unter 30-jährigen (72%) liegt.
Bei den Betriebssystemen steht eines ganz klar in der Pole Position: „Android“ mit einer Nutzungsrate von 38% an erster Stelle vor Apple iOS mit 23%. Symbian und Windows Phone nutzen nur 7%, RIM lediglich nur 3%.
Neben smarten Alleskönnern werden die Tablet PCs bei den Österreichern immer beliebter: Bereits 10% geben an, eines solches zu verwenden.
Johannes Natterer: „Österreich steht neuen Kommunikationstechnologien und innovativen Medienangeboten sehr positiv gegenüber. Immerhin geben 60% von ihnen an, neue Technologien sofort bzw. kurz nach Einführung auszuprobieren. Das sind beachtliche 10% mehr als noch im vergangenen Jahr. So erklärt sich auch die rasche Marktdurchdringung der Smartphones, die Beliebtheit von mobilem Internet und die rasche Anwendung und Akzeptanz von neuen Technologien“.
Der mobile „Freund“ der Österreicher
Das Handy ist dem Österreicher ein ständiger Begleiter. Ob bei Social Communitys einloggen, Termine checken, Mails versenden, Kontakte verwalten oder Surfen – im Mittelpunkt steht das Mobiltelefon. Abgesehen vom Telefonieren wird das Handy vor allem zum SMS-Versenden (95%), zum Fotografieren, als Wecker (beides 81%) und zum Verwalten der Termine (63%) verwendet.
Mobiles Internet gewinnt stark an Bedeutung: Mehr als die Hälfte der Befragten surft mobil. Das Versenden von E-Mails ist für knapp 40% der Befragten eine beliebte Funktion. Für mehr noch (49%) dient das Handy als MP3-Player. Bereits 15% nutzen Video on Demand. Am wenigsten gefragt sind derzeit Funktionen wie Mobile TV, das Handy als Computermodem (beide 10%) oder Videotelefonie (5%).
„War das Mobiltelefon anfangs ein reines Kommunikationsmittel zum Telefonieren, so nimmt es heute seinen Weg in alle Bereiche des täglichen Lebens. Mails versenden geschieht verstärkt nicht via PC, sondern mobil zwischendurch. Und mobiles Internet lässt vieles, was man sonst zuhause am Computer gesucht oder gemacht hätte, unterwegs erledigen. Da wundert es nicht, dass die Österreich ohne ihr Handy nicht leben können oder wollen“, interpretiert Matthias Schodits die mobilen Nutzungsgewohnheiten der Österreicher.
Zwischen 10 und 30 Minuten surfen
Surfen über das Handy wird immer beliebter. 51% der Befragten** (+10% zu 2010) geben an, mobil das Web zu nutzen. Besonders ausgeprägt ist die Internetnutzung bei Männern und Frauen unter 20 Jahren (74%). Mit zunehmendem Alter sinkt die Bereitschaft, die Internetfunktion am Mobiltelefon zu verwenden. 68% der unter 20-29-jährigen surfen mobil, bei den 30-39-jährigen sind es noch 59%. Auch die 40-49-jährigen sind im mobilen Internet mit 43% stark vertreten. Am wenigsten nutzt die Generation 50+ Web am Handy – hier sind es aber immerhin noch 25%.
Die Dauer der mobilen Internetsitzungen und die Nutzungsintervalle sind in Österreich sehr hoch: Knapp 80% der Befragten sind mehrmals in der Woche mobil online – schon mehr als die Hälfte täglich. Am stärksten nutzt die Gruppe bis 19 Jahren das Internet am Handy täglich mit 66%, bei den 20-29-jährigen sind es 56%. Der Anteil der User, die mehrmals in der Woche oder täglich die Internetfunktion ihres Handys verwenden, surfen zu 27% eine halbe Stunde oder länger mobil im Netz. Ein Viertel nutzt das Internet nur bis zu 10 Minuten, knapp 50% der Nutzer liegen bei einer Nutzung von 10 bis 30 Minuten täglich.
Mobiles Internet ist noch ausbaufähig:
Zu hohe Kosten, langsame Verbindung und Endgeräte hemmen Wachstum
Auch wenn die mobilen Internetzugriffe sehr hoch sind, verwenden 49% der Österreicher immer noch nicht das mobile Web. Gründe dafür sind in erster Linie die zu hoch eingeschätzten Kosten und mangelnde technische Ausstattung der Endgeräte.
Für 40% der Befragten ist mobiles Internet immer noch zu teuer. Ein Drittel gibt an, kein geeignetes Gerät zu haben, um mobil zu surfen, da das Display zu klein oder das Handy nicht internetfähig sei. Eine umständliche Bedienung (17%), keine Notwendigkeit zur Nutzung (24%), eine zu langsame Verbindung (16%) bzw. Desinteresse an dieser Handyfunktion (13%) sind weitere Gründe, das Handy nicht zum mobilen Surfen zu verwenden.
Auch wenn die Unzufriedenheit der User mit der Qualität des mobilen Webs seit 2010 zurückging, geht es für 50% der Befragten immer noch zu langsam – und das trotz Smartphones und der immer schneller werdenden, mobilen Internetverbindungen. Neben zu lang empfundenen Ladezeiten bemängeln die mobilen Web-User neben der umständlichen Bedienung (23%) vor allem die zu hohen Kosten wie u.a. Roaming (49%). Dass Internetseiten nicht für eine Darstellung am Handy optimiert seien (46%), ist ein zusätzlicher Punkt für Unzufriedenheit. Satte 21% sind zufrieden mit dem Internetsurfen über das Mobiltelefon.
„Ein klarer Trend ist erkennbar: Die Internetnutzung verlagert sich vom PC oder Laptop auf das Mobiltelefon. Das Potenzial ist dabei lange noch nicht ausgeschöpft. Die Mobilität der Österreicher und das Bedürfnis, via Handy sehr schnell an nützliche Informationen zu gelangen, sollten Anbieter, Handyproduzenten und die Website-Betreiber zum Überdenken ihrer Services und Angebote bringen. Österreich möchte schnellere Internetverbindungen am Handy, optimierte Websites für mobile Browser, größere Displays an den Endgeräten und transparente, leistbare Kosten für mobiles Surfen“, so Natterer und Schodits einstimmig.
Österreich im mobilen Netz:
Search, Wetter und Social Communitys
Zwei Drittel der mobilen Internet-User sind über ihr Handy in sozialen Netzwerken unterwegs. Hier liegt der stärkste Anteil der unter 20-jährigen bei 85%, knapp gefolgt von den 20-29-jährigen mit 80%. Die Altersklasse zwischen 30 und 49 sind mit 60% in sozialen Netzwerken sehr stark vertreten. Überraschend ist der Anteil an mobilen Internet-Nutzer über 50 Jahren. Knapp 40% geben an, den Webzugang via Handy für soziale Netzwerke zu verwenden. Facebook (96%) ist das mit Abstand am meisten genutzte Social Network. Google+ folgt an zweiter Stelle und kann bereits 18% verzeichnen, Twitter nimmt mit 12% (-10% zu 2010) Platz drei ein. Die Nutzung von Myspace über das mobile Internet ist im Gegensatz zum letzten Jahr von 10% auf 4% gesunken. Auch Studi/Schüler/Mein VZ hat User verloren und ist auf 1% zurückgefallen (2010: 9%).
Such- und Informationsdienste (88%) sind die am meisten genutzten mobilen Online-Angebote. Wetter-Informationen stehen mit einer Nutzung von 73% an zweiter Stelle. Surfen in sozialen Netzwerken (55%) ist die drittliebste Beschäftigung im mobilen Netz in Österreich. Mobile Video-Portale (47%) haben stark an Beliebtheit zugelegt mit +17% im Vergleich zum Vorjahr. Verloren haben dagegen Sportinformations-Dienste von 35% auf 22%.
Um auf die gewünschte Website zu gelangen, verwenden die meisten (48%) eine Suchmaschine. Lesezeichen bzw. die Speicherung der Adresse in den Favoriten stellt die zweit beliebteste Methode dar (29%). Die direkte Eingabe der URL in die Adressleiste wird von 18% getätigt. QR-Codes bzw. Mobile Tagging haben sich mit einer Nutzungsrate von 2% noch nicht durchgesetzt.
App-solutes Österreich:
Mobiles Online-Shoppen und Entertainment
Die Zahl der App-Store-User ist seit 2010 um 24% gestiegen: Bereits 72% nutzen App-Stores über das mobile Internet. Am beliebtesten sind Android Market (34%), gefolgt von Apple App Store (27%) und Ovi Store (11%). Die Ergebnisse zeigen, dass die Österreicher sehr App-affin sind. Knapp 80% haben ab sechs verschiedene Apps auf ihrem Smartphone installiert. 34% sogar mehr als 20 Apps, die den größten Anteil der App-Nutzer ausmachen. Das betrifft vor allem die Technologie-affinen Österreicher (46%).
Das Einkaufen über Portale bzw. über Apps ist am Vormarsch: Schon 20% der mobilen Internet-Surfer haben dies schon einmal getan. 96% waren zufrieden, 95% würden es wieder tun. Kostenfreie Angebote werden dennoch bevorzugt: Das Downloaden von gratis Apps ist mit 63% Nutzungsrate am weitesten verbreitet, gefolgt vom Herunterladen von gratis Spielen (46%). Bei den kostenpflichtigen Angeboten ist Mobile Video (40%) am beliebtesten. Musik (24%), Mobile TV (24%) und Online-Musik-Services (21%) liegen im mittleren Feld. Bei der Nutzung von kostenpflichtigen App-Downloads dagegen sind die Österreich eher zurückhaltend: 18% geben an, zumindest einmal pro Monat eine App gegen Gebühren herunterzuladen, bei Klingetönen sind es 16%.
Sehr spendabel zeigen sich die Österreicher bei Mobile Entertainment Services über das Handy. Die maximale Zahlungsbereitschaft liegt zwischen drei und hundert Euro, abhängig vom Angebot. Für Apps gibt man hierzulande schon einmal 100 Euro pro Stück aus, für Spiele 50 Euro pro Stück. Demgegenüber sind Klingeltöne maximal drei Euro Wert, ein Spielfilm schon einmal 20 Euro. Bei erotischen Angeboten würden die Österreicher für fünf bis elf Euro in die Tasche greifen.
Österreich immer offener gegenüber mobiler Werbung
Werbung gehört für 70% der Befragten auch beim Surfen am Handy zum Alltag. 42% erachten sie als hilfreich für den Verbraucher, bereits ein Drittel nimmt Werbung beim mobilen Internet als unterhaltsam wahr. Dennoch immerhin 50% empfinden sie als lästig.
Was aber die Nutzung der verschiedenen mobilen Werbemethoden angeht, zeigen sich die mobilen Surfer als offen. Mobile Tagging ist mit 21% die meist genutzte mobile Werbeform neben Gewinnspielen via SMS (21%). Wer an noch keinen Werbeaktivitäten teilgenommen hat, könnten sich vorstellen, vor allem bei Mobile Couponing (34%) und Mobile Tagging Kampagnen (29%) mitzumachen.
Eine Teilnahme ist für die User an bestimmte Voraussetzung geknüpft: Ein angemessener Preis würde 63% verleiten, der „Interessantheitsgrad“ spielt für 47% eine große Rolle und die Möglichkeit einer sofortigen Stornierung sowie kostenlose Produktproben wäre für 42% ein Anreiz. Im Vergleich zu 2010 sind 8% weniger Befragte (27%) gar nicht an mobiler Werbung interessiert.
Überraschend: Ansprechend für die Österreicher wäre die Möglichkeit, via Handy an Umfragen teilzunehmen: 70% der User könnten sich vorstellen, ihre Meinung zu Musik, Plakaten, Inseraten, Modemarken etc. zu beurteilen. Bei Angeboten im mobilen Kanal zählt der Preis als Hauptargument.